Wie sich alles fügt ...

 

Wenn Simon nicht gerade mit seinem VW-Bus samt rollendem Straßenklavier von Konzert zu Konzert durchs Land zieht, lebt er glücklich und zufrieden in Mainz und freut sich des Lebens. Oder er frischt in Bali seine recht ordentlichen Kenntnisse der indonesischen Sprache auf (karena ingin belajar lebih baik). Oder er genießt die Ruhe der schwedischen Wildnis beim Kanufahren. Oder er labt sich an französischem Wein & Käse in Aix-en Provence. Oder er macht seine tägliche Stunde Yoga. Oder er trainiert im Schwimmbad. Oder er arbeitet am Aufstieg seiner Tischtennismannschaft, welcher er sogar als Mannschaftsführer vorsteht. Oder aber er schaut einfach mal entspannt in die Landschaft.

 

Meistens aber spielt er aber doch irgendwo Klavier, und das jetzt schon ziemlich lange, denn schon als Kleinkind wurde Simon geprägt vom Jazzsaxophon der Mutter und der klassischen Querflöte des Vaters, sodass er bereits im Alter von 6 Jahren zum Klavier kam. Die ersten 7 Jahre musste er zum Unterricht bei einer 86-jährigen Dame wöchentlich 6 km mit dem Fahrrad fahren. Als er nach anschließend zweijähriger Odyssee bei 8 verschiedenen Lehrern das Klavierspielen aufgeben wollte, kam seinen Eltern die rettende Idee – ein Lehrer für Jazzpiano musste her. Ab dann gab's kein Halten mehr. Nach dem Abitur folgte ein kurzer und desaströs endender Versuch, im Kölner Music Store eine "ordentliche" Ausbildung zum Musikalienhändler zu machen, dann war klar, dass Simon auf die Bühne muss.

 

Schon während des Jazzstudiums in Frankfurt spielte er seinen immer etwas verschmitzten Pianostil regelmäßig in diversen Hotelbars und tourte bundesweit mit der Galaband Phil Morris, wo sich manch zweifelhafter musikalischer Höhepunkt bei Begleitung diverser Schlagerstars nicht vermeiden ließ. Vom Foyer des Unterhaus' Mainz erklomm er ungeplant die Bretter der Kleinkunst, als der Berliner Diseuse Mai Horlemann Stunden vor dem Auftritt der Pianist erkrankte, sodass Simon spontan vom Foyer-Klavier zum Bühnen-Klavier wechselte. Es folgte eine mehrjährige Zusammenarbeit, die ihn von der Berliner Bar jeder Vernunft bis nach New York führte. Hieraus entstanden Auftragskompositionen für das Kabarett Womedy und die Begleitung des Tatort-Schauspielers Rolf Bidinger in dessen Hommage an Heinz Erhardt mit dem Titel Heinz bleibt Heinz. Für die Musiksatire In Teufels Küche, Teil 1 im Duo mit Sascha Bendiks gab es den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2013, die St. Ingberter Pfanne 2008 und den lustigen Vizemeistertitel bei der Kabarettbundesliga 2012. Momentan arbeitet Simon aus purem "Spaß an der Freud" an einer optionalen musikalischen Ergänzung des Hörbuchs Die Einsamkeit der Schuldigen des gleichnamigen Romans der Autorin Nienke Jos.

 

Die parallel verlaufende Konstante während all dieser Projekte war und ist die Band superfro, in welcher er seit mehr als 15 Jahren mit Frowin Ickler (Kontrabass) und David Tröscher (Perkussion) die Rhythmusgruppe bildet, seit 2016 inspirierend ergänzt durch Jan Beiling am Saxophon. Bei superfro entdeckte Simon sein Faible fürs Geschichtenerzählen auf der Bühne. Mit diesen Geschichten entfacht er bei manchem Zuhörer innere Bilder, die niemand niemals nie mit Jazz in Verbindung gebracht hätte. Aber hey – was ist schon Jazz? Viel schöner ist doch eh Filmmusik fürs Kopfkino !